Jahresrückblick 2019
Lassen Sie mich dieses Jahr auf die Themen Digitalisierung und andere Startups blicken.
Selfre-Sim

Meine Eigenentwicklung zur Simulation des Oxandel Marktplatz hat große Schritte gemacht. Obwohl die Software anfangs als elektronische Handelsplattform konzipiert wurde, schien es eine sehr andere Nachfrage geweckt zu haben : Schulungssoftware für bestehende Prozesse. Es hat sich herausgestellt dass sich insbesondere auf der trägen Verbraucher Seite kein Standard zur Kommunikation durchsetzt - es scheint im Gegenteil sogar so zu sein, dass die Anzahl an Portalen und Abwicklungs Platformen wächst, statt sich zu konsolidieren. Solange daher viele Einkäufer nicht den wesentlichen Unterschied zwischen Bestellungen für Gummihandschuhen und Rohstoffen nutzen möchten, wird sich daran wohl auch nichts ändern. Nur eine noch größere Commodity Preisvolatilität - also Schmerz - führt wohl zu anderem Verhalten beim Gelegenheitskäufer. Die Simulation wurde daher so weiterentwickelt, dass Inhouse Logistik und Strategie Schulungen zu gewünschten Märkten und Produktgruppen abgehalten werden können. Daher war dies ein Schwerpunkt des vergangen Jahres. Interessanterweise wurde der Blockchain Hype von vielen als das angesehen was er ist, eine Hype. Abseits des möglichen Nutzens als Währung sind wenige Geschäftsmodelle im Bereich des Rohstoffhandels absehbar. Ich erwarte jedoch v.a. von Ripple - also dem Coin für Vertrauensnetzwerke, ohne Blockchain sondern vorab-geschürft - einiges Innovationspotential um Marketing Kosten zu reduzieren. Aber ob dies nach dem Interbankenhandel ausgerechnet in der satten Chemiewirtschaft sich als nächstes ereignen wird, kann auch bezweifelt werden.

Chemie - Handels Startups

2019 war auch das Jahr in dem große Produzenten und etablierte Weiterverteiler kleine Handels Startups gründeten oder sich einen neuen html5 Anstrich gaben ("digiA"*, "ChemTwoThree", "OLAQCHEM", "GoSellChem"), bzw. die frischen Wettbewerber aus den letzten beiden Jahren sich wahrscheinlich final entschlossen haben eine Informations- und Werbeplattform zu sein : Amazon-Marketplace für Titandioxid, R134a und Persulfate. "Badetick"*, "ChemieWelt".

Letztere mögen sehr Datenbank-lastige Geschäftsmodelle nutzen, die auf sehr kleine Margen je Produkt ausgelegt sind. Wenn das nicht dazu führt, dass man in dem Zoo von tausenden Chemieprodukten, -mengen, -verbraucheranforderungen die Übersicht verliert um einen Mehrwert z.B. durch glaubhafte Informationen historischer Preise zu bieten, dann ist dort sicherlich mittelfristig gewisse Stabilität möglich. Jedoch zeigen die neuen Strukturen an Online Shops auf anderen Gebieten - Schrauben, Schreibmaschinenpapier sogar Fliesen, dass die Spezialisten den großen Plattformen den Rang ablaufen, da sie bessere Suchen und Produktbeschreibungen vorweisen können. Im Zweifelsfall werden sie daher sogar von den Produzenten als Weiterverteiler vor dem großen Marketplace bevorteilt werden. Aber je unfähiger die großen Produzenten werden, überhaupt noch zwischen Ihren Risikomanagement Handbüchern, Ihren Schulungen zur Geldwäschevermeidung - von REACH gar nichtmehr zu reden - effizient mit Gelegenheitskäufern zu kommunizieren, desto größeren Mehrwert können diese Informationslisten Betreiber bieten. Sic Transit Gloria Mundi.

*die Fachleute ahnen welche Firmen gemeint sind

Transport Neu Erfinden - oder fangt den Dachs(er)

Alle paar Monate treffe ich in der Hamburger Digital-Hub-Szene mal auf Leute der großen neuen Fracht-Startups (cargonexx, freighthub, carrypicker), oft nur noch mit Trumps Wahlkampfmütze um dem Hipster Neusprech zu entgehen. Jedenfalls wurden die großen Transport Neu Erfinder mit insgesamt mind. 20 Mio Euro Risikokapital, teils staatlich, teils von den Funds der Geldsammelstellen ausgestattet. Natürlich lässt sich von den Erfindern keiner auf so eine Nische wie LKWs mit Natronlauge ein. Sie geben nach außen vor, dass Ihr Geschäftsmodell auf neuen Algorithmen und Künstlicher Intelligenz beruht. Firmen mit kleiner Frachtnachfrage werden jetzt wohlmöglich hellhörig. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass man für einzelne Wackelwand Transporte oder Container, selbst nur zwischen großen Seehäfen, bei den alten Platzhirschen mindestens genausogut aufgehoben ist. Aber letztere kommen scheinbar nicht so einfach an das Digitalisierungs-Cash. Wird 2020 also das neue Jahr des großen Startup Sterbens ? - wohl noch nicht, denn soviel Geld können nichtmal 100 Hipster zerprogrammieren. Es werden daraus am Schluss wohl ganz normale Speditionen, 40 LKWs, 50 Fahrer und 5 im Backoffice - Chapeau falls das überhaupt gelingt. Der Dachser lebt noch.

Ausblick - graden Blickes durch den Sturm

Digitalisierung im Chemiehandel ist seit ein paar Jahren wie ein aufziehender Sturm. Die Pressemitteilungen zu dem Thema überschlagen sich, Konferenzen derjenigen, die als letztes oder nie erfahren wenn die Amine knapp werden, belabern sich immer intensiver mit tollen Konzepten aus Silicon Valley. Aber es ist nun mal nur ein Sturm - also Luft, nichts weiter. Daher bleibt Oxandel bei seiner Firmenphilosophie, in wenigen gut übersichtlichen Produkten eine neue Handelskultur anzubieten. Was sich seit 50 Jahren für Seeschiffe bewährt hat kann für LKWs nicht so falsch sein. Dennoch ist starkes Wachstum notwendig und die Gewinnzone Pflicht, Profit ist ein Kompass für den Kundenwunsch und nicht eine Medallie, die man vom Ministerium für schöne Geschäftsideen erhält.


Guten Start für 2020 wünscht
Ihr Björn Michaelis